[Rezension] Kafka am Strand

[Rezension] Kafka am Strand

6. Oktober 2018 2 Von Betweentwochapters


Kafka am Strand | Haruki Murakami | btb Verlag | 640 Seiten | erhältlich als Taschenbuch, gebundenes Buch und E-Book



Der 15-jährige Kafka Tamura reißt von zu Hause aus und flüchtet vor einer düsteren Prophezeiung seines Vaters auf die Insel Shikoku. Seine abenteuerliche Reise führt ihn in eine fremde Stadt, wo er der faszinierenden Bibliotheksleiterin Saeki begegnet und ihr verfällt. Er macht die Bekanntschaft mit einem geheimnisvollen alten Mann, der mit Katzen sprechen kann, und gleitet ab in eine fremde, seltsame Welt. Was ist Traum, was ist Wirklichkeit? Wo endet diese Reise voller rätselhafter Begegnungen und labyrinthischer Wege?

(Original Klappentext)


Hier im Bücherregal stapeln sich die Bücher von Haruki Murakami, denn mein Freund ist ein ziemlich großer „Fan“ seiner Bücher – wenn man das so sagen kann.

Da ich ein neugieriger Mensch bin und seine Begeisterung gern verstehen wollte, habe ich nach dem, seiner Meinung nach, besten Buch von Murakami gefragt und er drückte mir Kafka am Strand in die Hand. Mehrere Wochen lang habe ich dieses Buch gelesen, in Abschnitten, da es ein Buddyread mit meiner liebsten Mary war, und jetzt wo ich am Ende angelangt bin, fällt es mir schwer meinen Eindruck in Worte zu fassen.


Philosophisch, atmosphärisch und skurril sind wohl die ersten Adjektive, die mir in den Sinn kommen um Kafka am Strand zu beschreiben.

Der Schreibstil war atmosphärisch, teils sehr angenehm zu lesen, teils aber auch etwas langatmig durch die vielen Wiederholungen im Buch. Oft fiel es mir beim Lesen sehr schwer wichtige von unwichtigen Informationen zu differenzieren, weshalb sich in meinem Kopf eine undenkliche Menge an Daten, Fakten und Theorien angehäuft haben, mit dem Hintergrund auf all diese Informationen im weiteren Laufe des Buches zurück greifen zu müssen. Wirklich gebraucht hab ich die Informationen dann aber eigentlich nicht.

Die Charaktere sind alle sehr eigen und interessant, die Geschichte wird zunehmend skurriler und absurder, teilweise war ich auf faszinierende Art sehr verstört vom Geschehen im Buch. Gleichzeitig habe ich mir parallel mit den Charakteren im Buch sehr philosophische Fragen gestellt. Wann hat man ein erfülltes Leben? Kann ein Musikstück das Leben eines Menschen nachhaltig verändern? Habe ich einen ganzen Schatten? 


Auch wenn das Buch sehr anspruchsvoll und einige langatmige Stellen hatte, fand ich es doch auf eine Art und Weise die ich mir nicht erklären kann sehr gut und ich würde es durchaus weiter empfehlen. Demnächst werde ich mir sicher auch ein anderes Buch von Murakami aus dem Regal fischen, aber dieses mal vielleicht eher eines, dass nicht 600 Seiten schwer ist. Das Buch kommt für mich in die Kategorie Match und ich vergebe 4 Sterne.


„Wir alle verlieren ständig Dinge, die uns wichtig sind“, sagte er, nachdem das Klingeln aufgehört hat. „Wichtige Gelegenheiten und Möglichkeiten, oder unwiederbringliche Gefühle. Das macht das Leben aus. Aber in unserem Kopf – oder vielleicht sogar der Kopf selbst – ist ein kleines Zimmer, in dem diese Dinge als Erinnerungen aufbewahrt bleiben. Ein Zimmer wie unsere Bibliothek. Und um über unseren genauen geistigen Zustand auf dem Laufenden zu sein, müssen wir die Karteikarten in diesem Zimmer ständig ergänzen. Wir müssen reinigen, lüften und das Blumenwasser wechseln. Anders ausgedrückt, man lebt auf Ewigkeit in seiner eigenen Bibliothek.“

Haruki Murakami – Kafka am Strand