[Rezension] Kleine große Schritte

[Rezension] Kleine große Schritte

31. März 2019 0 Von Shani

Kleine große Schritte | Jodi Picoult | Penguin Verlag | 592 Seiten | erhältlich als E-Book, Taschenbuch und gebundenes Buch

Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ruth Jefferson ist eine der besten Säuglingsschwestern des Mercy-West Haven Hospitals in Connecticut. Dennoch wird ihr die Versorgung eines Neugeborenen von der Klinikleitung untersagt – die Eltern wollen nicht, dass eine dunkelhäutige Frau ihr Baby berührt. Doch eines Tages arbeitet Ruth allein auf der Station und bemerkt, dass das Kind keine Luft mehr bekommt. Sie entscheidet schließlich, sich der Anweisung zu widersetzen und dem Jungen zu helfen. Doch ihre Hilfe kommt zu spät, und Ruth wird von den Eltern des Jungen angeklagt, schuld an dessen Tod zu sein. Ein nervenaufreibendes Verfahren beginnt …

(Original Klappentext)

Lange hat mich kein Buch mehr so nachdenklich gestimmt und gleichzeitig so mitgerissen wie „Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult. Dieses Buch geht einfach weit über normale Unterhaltungsliteratur hinaus.

Jodi hat sich getraut und das heiße Eisen angefasst und thematisiert. Rassismus geht uns alle an. Das Zusammenspiel von Handlung und Picoults großartigem Schreibstil, der die Seiten nur so vorbeifliegen lässt, schafft es, große Spannung aufzubauen. Gleichzeitig wird man gezwungen, sich selbst und die eigene Haltung zu hinterfragen. In diesem Buch habe ich nämlich gelernt, dass es auch im Rassismus nicht nur schwarz und weiß gibt (okay, das entwickelt sich hier zu einem Wortspiel, das ich so nicht beabsichtigt habe). Rassismus findet nicht nur aktiv statt und selbst ich, die ich mich eigentlich als absolut gar nicht rassistisch bezeichnen würde, habe festgestellt, dass sogar in mir passiver Rassismus verankert ist und ich bin immer noch baff und weiß nicht wie ich mit dieser Information jetzt umgehen soll.

Die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Die Perspektive wechselt zwischen Ruth, Turk Bauer, dem Vater des toten Babys, und Ruths Pflichtverteidigerin Kennedy. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass man einzelne Szenen und Dialoge zwei Mal liest. Dadurch wird aber deutlich, dass manche Ereignisse von verschiedenen Menschen ganz anders erlebt werden.

Auch wenn vieles sehr geradlinig erzählt wird, hat die Autorin doch auch ein paar Überraschungen auf Lager, die immer wieder kleine Wendungen in die Geschichte bringen und die Spannung aufrechterhalten. Interessant fand ich auch, dass Turk Bauer eine farbige Staatsanwältin zugesprochen bekam, was der Geschichte nochmal einen besonderen „Kick“ gab.

Zwiegespalten stehe ich allerdings immer noch dem Ende gegenüber.

Meiner Meinung nach hätte „Kleine große Schritte“ einfach mehr verdient gehabt als ein kitschiges Hollywood-Happy-End, was mich in dieser schmalzigen Süße doch etwas enttäuscht zurückgelassen hat.

Trotzdem ist mein Gesamteindruck ungetrübt, weshalb ich volle 5 Sterne vergebe und das Buch zu meinen Traumprinzen ins Regal gestellt wird.